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Motorradreisen Südafrika

Dass der Ozean nicht mehr weit entfernt sein kann, stellen wir spätestens auf der Strecke von Swellendamp nach Bredarsdorp fest. Über die R 319 pfeift eine steife Brise und so wird die fast schnurgerade, mehr als 30 Kilometer lange Straße zur längsten Kurve der Welt. Die windbedingte Schräglage kann sich sehen lassen. Den Lenker seines Motorrades sollte man fest im Griff haben. Das in der Abendsonne Gold-Gelb leuchtende Weideland rechts und links der Straße reicht bis zum Horizont. Allerdings konzentrieren wir uns momentan mehr auf das schwarze Asphaltband vor uns. Erst in Bredarsdorp, von einigen schützenden Hügeln umgeben, beruhigt sich der Wind. Nicht nur auf der Strasse, auch auf dem Wasser kämpfen die Menschen mit den Mächten der Natur. Davon zeugt hier, in der Mitte des Nirgendwo, das Schiffswrack-Museum, welches die Geschichte der rund 250 gesunkenen Schiffe erzählt, die seit Beginn schriftlicher Aufzeichnungen am südafrikanischen Kap gesunken sind. Das in der alten kaphölländischen Kirche von Bredarsdorp untergebrachte Museum ist wirklich sehenswert und eine gute Einstimmung auf die nächsten Tage, die wir mit Ausflügen zum Kap Agulhas und entlang der Küste zum Kap der Guten Hoffnung verbringen.

Aus nächster Nähe bekommen wir einen Eindruck von der Gefährlichkeit der Kap-Küste in Arniston, am Ende unserer stürmischen „Kurven-Fahrt”. Hier sank 1815 der britische Truppentransporter „Arniston“ mit 372 Menschen an Bord, nur sechs überlebten die Katastrophe. Arniston heißt eigentlich Waenhuiskrans und ist ein schmuckes Fischerdorf mit zahlreichen alten, weiß gekalkten Fischerhütten und einer eindrucksvollen Dünenlandschaft. Von der Terrasse des gemütlichen „Arniston Hotels” hat man bei einem Glas Weißwein, Marke „Arniston Bay”, einen herrlichen Blick auf die Bucht mit dem türkisfarbenen Wasser und den kleinen Fischerhafen. Abends sind wir von den einheimischen Fischern ins Gemeindehaus zum Fischessen eingeladen. Der kleine Saal ist mit zahlreichen, in Handarbeit gefertigten Stickereien mit Motiven aus dem Alltag der Menschen hier geschmückt. Die Köchinnen hinter der offenen Küche begrüßen uns mit einem afrikanischen Volkslied und machen sich dann an die Arbeit. Es wird ein wirklich lustiger Abend, an dem noch viel gesungen wird – wir revanchieren uns mit deutschen Volksgut, was zu lautstarker Belustigung bei dem Einheimischen führt.

Von Arniston ist es nur noch ein kurzer Weg vorbei an zahlreichen Schafherden über eine gut befahrbare Lehmpiste bis zum südlichsten Punkt Afrikas. Es erstaunt immer wieder wie viele Leute glauben, der südlichste Punkt Afrikas läge am Kap der Guten Hoffnung. Selbst in Reiseführern taucht diese Fehlinformation immer wieder auf. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Fahrt zum wahren Kap für die Pauschal-Touris in ihren vollklimatisierten Bussen zu abseits von den ausgetretenen Pfaden liegt. Dabei gehört die Fahrt zum Kap Agulhas – so heißt der richtige Punkt, an dem Atlantischer und Indischer Ozean aufeinander treffen – mit zu den schönsten Eindrücken, die man als Kap-Reisender haben kann.

Kap Agulhas wirkt zunächst völlig unspektakulär. Der kleine Ferienort besitzt ein paar Ferienhäuser, einen Fischereihafen, einen Laden und ein einfaches Restaurant. Das eigentliche Kap mit dem kleinen Monument muss man richtig suchen, hat dann aber reichlich Platz und Zeit für das obligatorische Erinnerungsfoto. Wir fahren mit unserer BMW GS auf der grob geschotterten Küstenpiste noch ein Stückchen weiter, dann etwas Querfeldein und bekommen noch einmal Zeugnis davon wie gefährlich auch heute noch die Umschiffung des Kaps sein kann. Direkt vor der Küste liegt ein taiwanesischer Frachter auf Grund. Die Signale des zweitältesten Leuchtturms Südafrikas am Kap Agulhas scheint die Besatzung übersehen zu haben. Jetzt hocken hunderte Vögel auf den aus dem Wasser ragenden Überresten und spähen nach Fischen. Der Leuchtturm wurde dem ägyptischen Vorbild von Alexandria, einem der sieben Weltwunder, nachempfunden, beherbert ein kleines Museum und kann erklettert werden. Das ist allerdings nur etwas für Schwindelfreie, dafür ist der Blick über das Kap unvergesslich.

Mit Superlativen sollte man allerdings in Südafrika vorsichtig sein, speziell in der Kapregion. Es gibt einfach zu viele. Begeistert sind wir zum Beispiel von der Fahrt über die sogenannte Garden Route entlang dem Indischen Ozean. Besonders der Teil zwischen dem Tsitsikama Natinal Park und Knysna, wo neben der neuen Schnellstraße auch Abschnitte der Straße befahren werden, die 1884 von Südafrikas Staßenbau-Pionier Thomas Bain erbaut hatte. Dabei fahren wir kurvenreich durch dichten Dschungel, in dem sich allerlei exotisches Getier versteckt und in dem bis zu 1000 Jahre alte Yellowwood-Bäume stehen. Ein kurzer Fußweg führt mitten hinein in dieses fast undurchdringliche Dickicht aus Lianen, Efeu, Farnen und bis zu 50 Meter hohen Baumriesen. Wer den Spuren von Thomas Bain und dessen Vater Andrew folgt, kann als Motorrad-Tourist nicht falsch liegen. Die beiden Ingenieure haben im 19. Jahrhundert die spektakulärsten Passstraßen Südafrikas gebaut – und das Beste daran ist, einige davon folgen immer noch dem damaligen Streckenverlauf. Noch besser: der Montagu Pass von George aus ins Landesinnere in die Wüstenregionen der Kleinen und Großen Karoo nach Oudtshoorn sieht so aus wie vor mehr als 150 Jahren. Er darf nicht ausgebaut werden, weil die älteste Passstrasse Südafrikas unter Denkmalschutz steht. Mit ein bisschen Schotterpisten-Erfahrung wird die Überquerung zu einem Erlebnis, denn wo auf der Welt gibt es noch solch ursprüngliche Straßen. „Warmduscher” können alternativ den neuen Höhenweg wählen, gut ausgebaut, aber ähnlich toll zu fahren, weil ebenfalls sehr kurvenreich.

Oudtshoorn ist nicht nur das Tor in die Karoo-Wüste, hier befinden wir uns in der Hauptstadt der Strauße. Abertausende dieser Laufvögel werden hier gezüchtet, überall links und rechts der Straße begegnet man ihnen hinter den eingezäunten Farmen, die mit dem Verkauf der Straußenfedern früher ein Vermögen verdienten. Straußenbarone wurden die Farmer genannt, die sich prächtige Paläste in die Wüste setzten. In Zeiten von Rinderwahn und BSE wird heute das schmackhafte Straußenfleisch vermarktet – und die riesigen Eier, 24mal so groß wie Hühnereier, bunt bemalt an Touristen verkauft.

Nördlich von Oudtshoorn liegen die Großen Swartberge, die einst als unüberwindbar galten. Bis der bereits erwähnte Thomas Bain kam und die berühmteste Passstraße Afrikas schuf, den Swartbergpass. Die Fahrt über die gut zu befahrende Schotterpiste ist für uns Verpflichtung und Vergnügen in einem. Anfangs noch recht gemütlich schraubt sich die Straße empor, um schließlich in engen Kehren die Passhöhe von 1585 Meter zu erreichen. Von hier aus sehen wir, was uns auf den nächsten Kilometern bis nach Prince Albert erwartet: eine atemberaubende Abfahrt mit herrlichen Ausblicken über die kahlen, ausgetrockneten und in der tief stehenden Sonne leuchtend Rot erstrahlenden Großen Swartberge.

Einmalige Aussichten bietet die Kapregion Motorradfahrern in Hülle und Fülle. Dazu zählt natürlich auch die Fahrt über den fast schon legendären Chapman’s Peak Drive, die an die steilen Felslippen geklebte Küstenstraße von Hout Bay zum Kap der Guten Hoffnung. Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut galt die Straße in der Vergangenheit als vielleicht schönste Panoramastrecke auf der Welt. Dann aber wurde sie nach einem schweren Unfall, als Felsbrocken eine Autofahrerin erschlugen, gesperrt und neu ausgebaut. Seit dem letzten Jahr kann der Chapman’s Peak Drive wieder befahren werden und hat auch nichts von seinem alten Reiz verloren. Vom eindruckvollsten Aussichtspunkt, dem Chapman’s Peak, hat mein einen unvergesslichen Blick auf die gesamte Hout Bay. Um den Sonnenuntergang zu genießen, ist dies sicherlich einer der schönsten Pflecken auf der Kap-Halbinsel.

Weit weg sind auch hier die Probleme, mit denen Südafrika auch nach der Abschaffung der Apartheid zu kämpfen hat. Von einer Reise durch die Kapregion wollten wir uns nicht verabschieden, ohne wenigstens einen kleinen Eindruck von der Geschichte des Landes zu bekommen, die so eng mit dem Begriff Apartheid verbunden ist. Unterwegs haben wir viel gespürt von dem Wandel, der sich seit den ersten demokratischen Wahlen im April 1994 vollzogen hat. Die Unsicherheiten zwischen weißer und schwarzer Bevölkerung sind aber auch nach Abschaffung der Apartheid an jeder Straßenecke spürbar. Daran erinnert in Kapstadt das District Six Museum, das die Geschichte der Vertreibung der ursprünglichen schwarzen Bewohner dieses Stadtteils in die Randgebiete von Kapstadt eindringlich anhand von alten Bilden und Schaustücken, einer riesigen Karte und den ursprünglichen Straßenschildern erzählt. Hier wollte das alte Regime Platz schaffen für die Ansiedlung von Investoren und Industrie in der Nähe des Hafens. Auch eine Autobahn sollte gebaut werden, von der man heute noch die nicht fertig gestellten Reste sehen kann. Der Plan wurde nie in die Tat umgesetzt, die abgerissenen Häuser und Wohnungen nie wieder aufgebaut. Geblieben ist eine riesige verwilderte Fläche.

Wie sehr sich die Menschen annähern, sehen wir bei der Fahrt hinauf zum Signal Hill. Hinter Camps Bay, dem In-Strand der weißen High Society, führt die Straße in zahlreichen Serpentinen rechts hinauf zum Aussichtspunkt. Seinen Namen trägt der Berg, weil pünktlich um 12.00 Uhr mittags die Noon Gun losböllert. Früher wurden ankommende Schiffe mit einem Schuss aus der Pulverkanone begrüßt, heute werden auf diese Art und Weise unvorbereitete Touristen erschreckt, während für die Einheimischen die Mittagspause beginnt. Zum Sonnenuntergang aber treffen sich auf dem Signal Hill Schwarze wie Weiße friedlich nebeneinander, mit Decken und Picknick-Korb, um ausgelassen die über Camps Bay versinkende Sonne zu verabschieden. Das ist noch einer dieser Momente, der Südafrika so einmalig macht.   Norbert Meiszies
 

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