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Faszination Neuseeland

Strand, Regenwald, Weinberge, Gletscher und schneebedeckte Berge - Neuseeland ist so vielfältig

Wir stoppen an einem Parkplatz, der schon gut belegt ist. Das meint hier auf der Nordinsel vielleicht ein Dutzend Autos. Zu sehen gibt es einen der ältesten Kauri-Bäume. Kauri-Bäume können über tausend Jahre alt werden und sind mächtige Gesellen: Es wurden angeblich schon Umfänge von über zwanzig Meter und Durchmesser bis zu acht Meter gemessen. Ein hölzerner Pfad führt durch den Regenwald zu Tane Mahuta, dem ältesten bekannten Baum. Um den Baum vor Krankheiten zu schützen, müssen alle Besucher vor dem Betreten des Geländes die Schuhe desinfizieren. Da ragt er nun auf, der Tane Mahuta. Seine Krone ist nicht zu erkennen, sie wird verdeckt durch die vielen Farne.

Gestartet waren wir zu sechst mit vier Motorrädern in Auckland auf der Nordinsel. Die ersten beiden Tage trugen noch den Schleier der Zeitverschiebung. Trotz aller Vorbereitung: Zwölf Stunden Zeitdifferenz sind einfach eine Herausforderung für den Körper. Wir haben es ruhig angehen lassen, um uns zu akklimatisieren. Aber geht in Neuseeland eigentlich "ruhig", wo doch ständig neue, faszinierende Eindrücke auf einen einprasseln?

Zuerst sind wir in den Norden gefahren, nach Paihia an die Bay of Islands. Der erste Eindruck: Geht es hier eigentlich auch mal ein Stück geradeaus? Jetlag, Mietmotorrad, Linksverkehr und Kurven ohne Ende. Auf der kleinen Fähre zwischen Okiato und Opua legt Birgit mal eben den Kopf auf dem Tankrucksack ab, während ich mit Dehnübungen gegen die Müdigkeit kämpfe. Nur noch Essen, und "peng" ist der Tag schlagartig vorbei.

Paihia ist ein gut gewählter Startpunkt für eine Neuseeland-Reise. Hier liegt "The Treaty House". Das ist der Ort, wo 1840 der Vertrag zwischen den Maori und dem britischen Gouverneur geschlossen wurde, auf dem letztlich die neuseeländische Verfassung basiert. Neuseeland gehört zwar zum britischen Commonwealth of Nations, war aber nie eine britische Kolonie - so jedenfalls die Lesart der Maori. Die britische Regierung interpretierte den Vertrag anders. Seit 1934 ist "The Treaty House" als nationales Erbe geschützt und wird von einem Verein ohne staatliche Unterstützung getragen. Wir sehen die Langboote, mit denen die Tasmanische See und der Pazifik befahren wurden, das Haus des Gouverneurs, in dem der Vertrag geschlossen wurde und verstehen langsam, wie die Kiwis ticken. So weit ab vom Rest der Welt, britisch geprägt, aber doch so anders.

Zurück in Auckland sammeln wir noch drei Neuankömmlinge ein, um dann gemeinsam auf die Coromandel-Halbinsel nach Whitianga zu fahren. Den freien Tag nutzen wir, um eine Runde mit einem Boot mit Glasboden Richtung Cathedral Cove zu fahren. Das ist das berühmte Felsentor am Sandstrand, das wir nun vom Wasser aus sehen. Viel spannender aber ist, was sich unter dem Glasboden des Bootes alles tummelt an Fischen.

Zu den Dingen, die man in Neuseeland gesehen haben muss, gehören die Thermalgebiete rund um Rotorua. Dirk hat Wai-O-Tapu vorgeschlagen, ein kleines Gebiet auf dem Weg nach Taupo und nicht so voll wie die bekannten Thermalgebiete bei Rotorua. Das war eine gute Idee: Giftgrün schimmert ein See, gelbe, rote und weiße Ablagerungen im Teich gleich nebenan. Mal blubbert es schlammig, mal stinkt es schwefelig: Keine Frage, hier ist die Erdkruste verdammt dünn. Mich beeindruckt zudem die perfekte Infrastruktur mit angelegten Wegen, Geländern an den richtigen Stellen und guten Aussichtspunkten. So macht man Natur zugänglich, ohne dass die Besucher Schaden anrichten oder selbst geschädigt werden.

Dirk, der die Aufgabe des Guides für unsere kleine Gruppe mit Herzblut ausfüllt, hat aus der Not eine Tugend gemacht. In neuseeländischen Hotels gibt es wie in den USA und Kanada kein Frühstück. Als bekennender Morgenmuffel ohne Frühstück aufs Motorrad steigen? Ätzend, dachte ich vorher. Aber die Frühstückskultur in Neuseeland ist sensationell gut. Man nehme das Beste eines "full scottish breakfast" und kombiniere es mit exotischen Früchten und jeder Menge Phantasie. Dirk hat es sich zur Berufung gemacht, das jeweils beste Frühstück der Umgebung ausfindig zu machen. Nach gut einer Woche bin ich soweit, dass ich ohne zu Murren eine Stunde Motorrad fahre - vor dem Frühstück!

Die Fähre von Wellington auf der Nordinsel über die Cook Strait nach Picton auf der Südinsel ist für hartes Wetter berüchtigt, aber wir genießen die Überfahrt wie auf dem sprichwörtlichen Ententeich. "Auf der Südinsel werden es weniger Kurven", hatte Dirk angekündigt, um sofort auf eine Nebenstraße abzubiegen, auf der wir uns schwindelig fahren. Zur Mittagspause in Havelock gibt es nicht nur frische grüne Muscheln, sondern auch jede Menge blöde Sprüche. Unser Tagesziel ist der Abel Tasman Natio­­nal­­­park bei Marahau. Was für ein Sandstrand! Was für ein Regenwald! Viel zu kurz ist unser Aufenthalt, aber wir wollen ja noch weiter gen Süden fahren. Die Pancake Rocks bei Punakaiki warten noch auf uns - Felsen aus Gesteinsschichten, die entfernt eine Ähnlichkeit mit einem Stapel Pfannkuchen haben.  In Hokitika wird jede Menge Schmuck aus Jade hergestellt, Anhänger und Ohrstecker, Armbänder. Eigentlich gibt es alles von sehr hübsch bis furchtbar kitschig. Zum Glück ist das Plastikgeld geduldig, die Quittung kommt erst zuhause.

Eben waren noch weiße Strände neben uns, nun kommen die Southern Alps dem Meer immer näher. Oben in den Bergen glitzern die Gletscher. Vor gefühlt jedem zweiten Haus steht ein Hubschrauber, der Rundflüge anbietet. Über den Haast Pass fahren wir nach Wanaka. Hier muss das Paradies der Selfie-Fotografen liegen. In Scharen umlagern sie den Wanaka Tree, einen Baum, der im See wächst, um bei Sonnen­untergang das ultimative Bild von sich mit dem  Baum zu schießen. Bingo!

Wir erreichen Queenstown, wieder mal für zwei Nächte. Inzwischen bin ich dankbar für jeden Tag Pause. Nicht wegen der unendlichen Kurven, sondern um meinem Gehirn die Chance zu geben, die vielen unterschiedlichen Eindrücke zu verarbeiten. Angeblich soll in Queenstown das Bungee Jumping erfunden worden sein. Der Ort mit der grandiosen Lage am Lake Wakatipu hat sich erfolgreich als Nabel der Welt für Aktivitäten und Extremsport vermarktet. Am Abend steppt der Bär in der Stadt. Nur mit Mühe bekommen wir einen Tisch in einem Restaurant. Und als später am Abend die Sonne golden hinter den Bergen verschwindet, aber den See noch leuchten lässt, ist es an der Uferpromenade so voll wie in einer deutschen Fußgängerzone am letzten Wochenende vor Weihnachten. Wir lästern ein wenig, aber ganz tief drinnen sagt eine Stimme "boah, ist das schön"!

Die Landschaft im Süden ist herber als im Norden, bergiger, schroffer, manchmal fast schon unnahbar. Der Eindruck legt sich erst wieder auf der Fahrt nach Christchurch, wo die Küste grüner und ein wenig lieblicher wirkt. Bevor wir die Mietmotorräder wieder abgeben, fahren wir noch hinaus nach Akaroa an die Küste, ein charmanter, lauschiger Ort an einer tief eingeschnittenen Bucht. In Christchurch heißt es dann Abschied nehmen.

Ralf Schröder